INTERVIEW: Sächsische Geschichten in Rumänischer Sprache – Wieso? Weshalb? Warum?


Acesta este un interviu la care am răspuns la rugămintea Susannei Riemesch Wachsmann pentru Reichesdorfer Bote, ziarul Asociației sașilor originari din Richiș/Reichesdorf (HOG Reichesdorf). În curând îl voi traduce și în limba română.


Als Tochter einer rumänischen Mutter und eines sächsischen Vaters wuchs Mihaela Kloos in Mühlbach auf. Sie lebt mittlerweile in München und hat es sich zur Aufgabe gemacht, von und über die Sachsen Geschichten zu erzählen – in rumänischer Sprache. Ich wüsste nicht, dass es etwas in dieser Form schon gibt. Mihaela besucht oft Siebenbürger Sachsen, wo sie alles über die einstige Lebensweise der Sachsen sammelt, mit allen Bräuchen, Sitten, lustigen und traurigen Familiengeschichten. Aber auch diejenige, die nach unserem Wegzug unsere Dörfer neu beleben, bezieht sie in ihre ¨Poveşti săsești¨ ein. Aus ihren Werken kann man die Liebe und den Respekt für Siebenbürgen und seine ehemalige und aktuelle Kultur und Bevölkerung heraus lesen.

Ich habe mich gefreut und bin dankbar, dass Mihaela mir für den Reichesdorfer Boten (n.b. Mai 2015) auch ein paar Fragen beantwortet hat.

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Sebeș/Mühlbach. Foto: Mihaela Kloos-Ilea

Susanna Riemesch Wachsmann: Liebe Mihaela, wie kamst du auf den Gedanken, für rumänische Leser über die Sachsen zu schreiben?

Mihaela: Ich bin in Siebenbürgen, in einer Mischfamilie aufgewachsen, deshalb kenne ich die sächsische Kultur, die Bräuche, die Mentalität der Sachsen sehr gut, aber auch die der Rumänen. Ich war immer zwischen den beiden. Obwohl die ganze Familie meines Vaters nach Deutschland ausgewandert und mein Vater allein in Rumänien geblieben ist, hat er sich stets darum gekümmert, mir das geistige Erbe zu vermitteln. So habe ich als Kind schon gewusst, dass wir Menschen nicht alle gleich sind, dass jeder seine eigene Identität hat, und auch eine Identität als Gemeinschaft. Ich habe das immer respektiert, sehr geschätzt und fand es toll, wenn man anders ist. Ich sah aber ganz klar, dass nicht alle so denken. Ich musste immer davon erzählen und erklären, warum meine Name fremd klingt, warum wir Ostern zweimal feiern, warum ich an Weihnachten in zwei Kirchen, orthodoxe und evangelische, gehe usw. Für die Familie meines Vaters ist meine Mutter immer die Rumänin und für die Familie meiner Mutter ist mein Vater der Sachse geblieben. Und das war meinstens nicht gut gemeint.

Das Gefühl, dass etwas zu Ende geht, war immer gegenwärtig bei mir: mein Vater ist als letzter Sachse seiner Familie in der Heimat geblieben; in Mühlbach, wie überall in Siebenbürgen, wohnen nur noch sehr wenige Sachsen, diese Welt geht leider langsam zu Ende. Man vernimmt das Lied des Schwanes, genau deshalb wollte ich Aufmerksamkeit erregen und eine neue, frische unvoreingenommene Stimme bringen. Die Sachsen haben viel über sich selbst in deutscher Sprache geschrieben, es gibt aber kaum Bücher in rumänischer Sprache über sie. Der Kommunismus stellte Unterschiede zwischen den Menschen in den Schatten und so waren sich Sachsen und Rumänen nur als Nachbarn bekannt. Außerhalb Siebenbürgens, bei der restlichen Bevölkerung Rumäniens, weiß man überhaupt sehr wenig über das sächsische Volk. Ich dachte mir, das könnte ich bisschen ändern.

Dass ich jetzt in Deutschland wohne, aber sehr oft nach Siebenbürgen zurückkehre, ist von Vorteil, da ich die Gemeinschaft aus beiden Perspektiven kenne. Ich will eine Brücke bauen, um die Ausgewanderten und die Gebliebenen, die Alten und die Jungen, die Sachsen und die Rumänen zusammen zu bringen, um eine neue Gemeinschaft zu prägen. Meiner Meinung nach ist das die einzige Hoffnung, das alte, wertvolle Erbe der Sachsen weiter zu geben. Sonst stirbt alles, was wir vergessen wollen oder einfach ignorieren. Ich habe nichts zu bereuen, keinem etwas vorzuwerfen, ich habe keinerlei Groll oder Vorurteile. Ich lege Wert darauf, immer ausgeglichen, klar, freundlich und voller Mitgefühl zu schreiben. Und vielleicht wird mein Blog genau deshalb von Rumänen und Sachsen gleichermaßen geschätzt. Ich wünsche mir, dass wir alle durch meine Texte lernen, uns gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren für das, was wir sind, indem wir Wert auf unsere besten Qualitäten legen. Ich werde niemals zwischen Sachsen und Rumänen wählen können, denn ich bin beides, wenn wir es ethnisch betrachten wollen. Ich kann nicht zwischen meiner Mutter und meinem Vater wählen.

Ich muss sagen, dass ich sehr gern schreibe, es ist für mich mehr als ein Vollzeitjob, eine Leidenschaft. Auch für mich ist mein Blog wie ein Hauch frischer Luft. Das Schreiben gibt mir die Möglichkeit in zwei Welten auf einmal zu sein und unendliche Zeitreisen zu machen.

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Povești săsești pictate de doamna Gerda Popa din Crailsheim. Foto: Mihaela Kloos-Ilea

Susanna Riemesch Wachsmann: Wie ist denn die Resonanz? Sind die Rumänen an ¨unseren¨ Geschichten, unserer Geschichte interessiert?

Natürlich haben sie Interesse daran. Sogar überraschend viel, was die Zahl der Leser aussagt. Für einige ist die Gesichte der Sachsen vollkommen unbekannt, andere finden hier einen Teil der verlorener Heimat, ein Stück liebevolle Vergangenheit, weil sie hier die Chance haben, ihre ehemaligen Nachbarn wieder zu treffen. Die meisten meiner Leser sind aus Rumänien und Deutschland, entweder Rumänen oder Sachsen. Viele Sachsen finden neue Perspektiven für sich selbst in der Beziehung zum multikulturellen Raum Siebenbürgens. Für die, die noch in Siebenbürgen geblieben sind, schreibe ich über die Sachsen in Deutschland, für die in Deutschland Lebenden, über Orte und Menschen in Siebenbürgen. Es ist immer eine Geschichte, ein Dialog zwischen zwei Welten und zwei Zeiten.

Ich freue mich, dass mein Blog zu einer Art Gemeinschaft gewachsen ist, wo jedermann willkommen ist und sich gemütlich fühlt. Mein Blog ist an ein breites Publikum adressiert, an jeden, der die Menschen und die Geschichten Siebenbürgens liebt, egal wie alt, oder von welcher Herkunft. Ich schreibe nicht nur für Rumänen oder nur für Sachsen, mein Blog ist ein Platz, wo Unterschiede nicht spalten, sondern verstanden und als Vermögen geschätzt werden, dass sie uns zu dem machen, was wir sind.

Bunicul si nepoata/Großvater und Enkelkind

La ceasul poveștilor, când lectura trece spre amintiri. Bunicul si nepoata/Großvater und Enkelkind, tablou de Eduard Morres

Susanna Riemesch Wachsmann: Während und nach dem 2. Weltkrieg ist viel passiert, die Sachsen haben viel Leid erfahren, auch durch rumänische Mitbürger. Du hast sehr bewegend über die Deportation nach Russland und deren Folgen geschrieben. Wie haben deine Leser darauf reagiert?

Die Deportation nach Russland ist nicht nur eine entfernte Geschichte, es ist leider eine traurige Folge in der Familie meines Vaters, eine Lebensgeschichte. Die drei älteren Brüdern meines Vaters sind mit 19, 18 und 17 Jahren während der Zwangsarbeit in Russland gestorben. Eine Tante ist auch dort gestorben und ihre kleine Tochter, die damals nur 8 Jahre alt war, ist dann in der Familie meines Vaters aufgewachsen, wie ein eigenes Kind. Es sind Traumata, mit denen man irgendwie zu leben lernt, aber nie vergessen kann. Man fragt sich immer wieder, warum musste so etwas passieren. Und obwohl die Zeit vergeht, die Narben bleiben immer schmerzhaft.

Die meisten Lesern waren tief gerührt, voller Empathie und Mitgefühl für das Leiden, einige wussten etwas über die Deportation, für andere war diese dunkle Seite der Geschichte komplett unbekannt. Wir sollen nicht vergessen, dass der Kommunismus irgendwie immer noch im Hintergrund liegt, sodass die dramatischen Folgen des Krieges in Rumänien oft tabuisiert werden. Deshalb es immer noch schwer, über eine Minderheit Siebenbürgens offen und direkt zu sprechen.

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Trachtenpuppen im Teutsch-Haus in Hermannstadt. Foto: Mihaela Kloos-Ilea

Susanna Riemesch Wachsmann: Du warst in Reichesdorf und hast über Hans Schaas, den Ur-Reichesdorfer und jetzt auch über Christian Rummel, den Neu-Reichesdorfer berichtet. Gibt es noch mehr Reichesdorfer, die den Weg in die ¨Poveşti săseşti¨ finden?

In Reichesdorf kann man von Tür zu Tür anklopfen und faszinierende Geschichten entdecken. Es ist zu einem kleinen Babylon gewachsen, immer so bunt, aber ruhig und authentisch geblieben, eine einzigartige Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart. Ich liebe das Dorf und finde es einfach unglaublich, wie es sich in letzter Zeit verändert und neu erfunden hat. Herr Schaas hat mir einmal gesagt, dass er in den 90ern nie geglaubt hätte, dass sein verlassenes Dorf je wieder lebendig und schön würde.

Zuerst habe ich über Herrn Schaas mehrere Berichte geschrieben, dann machte ich gegenüber weiter, bei Paul Hemmerth, und vor kurzem habe ich über Christian Rummel geschrieben. Ja, ich habe den Eindruck, dass man in Reichesdorf immer etwas Neues finden kann und bin sehr gern dort. Jedes Haus hat seine verborgene Geschichte, hinter jedem Menschen, der diskret, unbekannt und einfach lebt, steckt der Held einer faszinierenden Geschichte.

Die Reichesdorfer Kirche. Foto: Mihaela Kloos-Ilea

Straße in Reichesdorf mit der Kirche im Hintergrund. Foto: Mihaela Kloos-Ilea

Straße in Reichesdorf mit der Kirche im Hintergrund. Foto: Mihaela Kloos-Ilea

Herzlichen Dank, liebe Susanna!

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