Sächsische Geschichten im Interview: „Ich wünsche mir, dass mein Blog langsam zu einer Gemeinschaft wird, wo jedermann willkommen ist und sich gemütlich fühlt”

Raluca Piteiu: Wie ist das Blog Povesti sasesti entstanden?

Die Idee der sächsischen Geschichten war schon lange in meinem Kopf und hat mir keine Ruhe gegeben. Vor 2 Jahren, nahm ich hier in München Teil bei einem Sachsentreffen mit den Leuten aus dem Heimatdorf meines Vaters. Es war eine kleine Begegnung wo eine Handvoll Menschen sich aufgeregt wiedererkannt, Geschichten erzählt und von ihrer Erinnerungen über eine schöne Welt erzählt haben – nur ich, die jüngste Person im Saal, kannte niemanden. Ich habe immer wieder versucht mir Kleinigkeiten und Gesichter zu merken, um sie dann meinem Vater, der in Rumänien war, weitererzählen zu können. Ich war von der Versammlung ganz beeindruckt. Ich hatte noch nie an solch einer Veranstaltung teilgenommen und einige Bilder haben mich später auch verfolgt. Wie zum Beispiel das Bild, das auf der Bühne auf einem Stuhl ausgestellt wurde, damit es versteigert wird. Es stellte die evangelische Kirche dar, und es wurde von einer Person aus der Versammlung gemalt.

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Wer ist dein Publikum?

Ich wünsche mir, dass mein Blog langsam zu einer Gemeinschaft wird, wo jedermann willkommen ist und sich gemütlich fühlt. Mein Blog adressiert das breite Publikum, jede Person welche die Menschen und die Geschichten Siebenbürgens liebt, egal wie alt, oder von welcher Herkunft. Das Blog und die Facebook Seite stellen eine Heimrückkehr und eine (Wieder)Entdeckung vergessener Geschichten, verlassener Orte oder einiger nicht so berühmten Leuten dar. Zur selben Zeit adressiert mein Blog diejenigen Personen, welche interessiert sind, über das heutige Leben der Siebenbürgen Sachsen zu erfahren. Die Sachsen leben in Deutschland, sie setzen ihre Traditionen fort und ich fühle mich bevorzugt über ihre Gegenwart aus Deutschland und Rumänien berichten zu dürfen. Die “Poveşti săseşti” stellen eine Brücke zwischen den zwei Ländern dar. Ich schreibe nicht nur für Rumänen oder nur für Sachsen, mein Blog ist ein Platz, wo die Differenzierungen nicht gekündigt, sondern verstanden und als Vermögen geschätzt werden, dass sie uns zu dem machen, was wir sind. Wir kennen uns gegenseitig zu wenig.  Die Geschichte, die in der Schule gelehrt wird hat viele Lücken und es ist nicht fair, dass es nicht genug ist, dass wir nur mit den Fotos bleiben, nachdem wir eine der siebenbürgischen Kirchenburgen besichtigen. Es steht so viel dahinter.

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Welche Themen werden auf dem Blog behandelt und wie wählst du diese aus?

So wie auch der Motto der “Poveşti săseşti” besagt, schreibe ich über die Sachsen von heute und von gestern. Ich verfolge ihre Spuren in Deutschland und in Siebenbürgen. Ich versuche ein Bild der Sachsen zu konstruieren, das so komplett und klar ist, wie möglich. Dazu gehören Trachten, die sächsisches Siedlungen, Vorstellungen und Legenden, Handwerke, Feste oder Aspekte des täglichen Lebens. Ich bin kein Sprecher eines Volkes, ich versuche nur ein kleiner Teil der schönen Sachsenkultur zu der Öffentlichkeit zu bringen.

Jemand hat ganz von Anfang an bemerkt, dass es nicht nur um eine Historie geht, nur über Sachsen und nur über ihre Vergangenheit. Es geht hier auch um Rumänien, das weite Rahmen wo sie einst gelebt haben und wie es heute aussieht, und es geht auch um die heutigen Sachsen. Ich will ein Gleichgewicht zwischen Siebenbürgen – das damalige Zuhause – und Deutschland – der Platz wo ungefähr 200,000 Sachsen heutzutage leben, herstellen.

Trotz der Social Media Strategien, die heute ganz geschätzt werden,, plane ich sehr selten worüber ich schreiben werde, ich veröffentliche wann und was ich für interessant finde, ohne den Druck zu empfinden, dass ich unbedingt täglich etwas sagen soll. Ich teile nur dann mit, wenn ich etwas Schönes zu sagen und zu Teilen habe.

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Bußd bei Mühlbach, das Dorf meines Vaters, Juni 2013

Welche ist die größte Freude, die du infolge des Blogs erlebt hast?

Die Tatsache, dass ich durch den Blog einige wunderbaren Menschen, auch persönlich, kennengelernt habe. Einige dieser Menschen sind liebe Freunde von mir geworden, mit einigen rede ich fast täglich. Eine weitere Erfüllung ist die Tatsache dass die meisten der mittlerweile 1,800 Namen regelmäßig auf der Facebook Seite präsent sind. Vielmehr ist  die Seite ein Raum für Dialog geworden. Likes sind zum Automatismus geworden, aber auf der Seite der Poveşti săseşti sieht man das nicht an. Die Leute besprechen, schreiben Kommentare, schicken mir ihre Ideen und Materialien zu. Ich freue mich ganz doll wenn das Material nicht nur von mir stammt, sondern dass sich meine Leser, abhängig von was ich schreibe, selber persönliche Fotos, aus ihren Familienarchiv oder seltene Postkarten teilen. Ich habe selber viele Artikel geschrieben, welche von Leser vorgeschlagen wurden.

 

Aber die größte Herausforderung?

Man könnte sagen, dass heutzutage die größte Herausforderung daran liegen würde, sich auf Kultur zu verlassen. Ich sehe aber dass sich mein Blog in seiner Nische ganz gut sein Platz gefunden hat und ich bin sehr stolz darauf. Eine Herausforderung wäre die Tatsache, dass es ein eigenständiges Projekt ist, welcher von einer einzigen Person geführt wird, eine unbekannte Person. Es gibt keine Redaktion, keine Mitarbeiter, ich bin nicht ein Teil der Blogosphäre und ich habe keine Sponsoren. Ich finde dass genau das das Zauber des Projektes ist und es wird auch so bleiben. Dementsprechend ist es auch viel Arbeit und die Zufriedenheit desto größer.

Was ich aber besonders schwierig gefunden habe, ist über eine Minderheit zu sprechen. Auch wenn die Sachsen vielleicht den besten Ruhm im Vergleich zu den anderen Minderheiten in Rumänien haben, ist es selbstverständlich, dass es Feindseligkeiten gibt, dass einige Wunden noch nicht vollständig geheilt sind, dass es immer noch Unmut gibt. Ich war mir davon von Anfang an davon bewusst, darum habe ich darauf bestanden, dass ich auf mein Blog nicht zulassen werde, dass es zu Egokämpfen kommen wird. Ich will nicht ein künstliches Bild darstellen, aber ich denke nicht, dass Vorurteile und Hass zu was Gutes führen können. Ich wünsche mir, dass durch meine Texte wir alle lernen uns gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren für das, was wir sind, indem wir Wert auf unsere besten Qualitäten legen. Ich komme aus einer gemischten Familie. Ich werde niemals zwischen Sachsen und Rumänen wählen können, denn ich bin Beides, wenn wir es ethnisch betrachten wollen. ich kann nicht zwischen meiner Mutter und meinem Vater wählen.

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Unser Nachwuchs stellt sich vor, Dinkelsbühl 2013

Hast du schon Vorschläge für eine Zusammenarbeit von andere Blogs aus derselben Nische bekommen?

Ja, ich habe mehrere Vorschläge bekommen als erwartet und ich freue mich darüber. Einige habe ich angenommen und andere habe ich abgelehnt, da sie nicht verstanden haben, welche die Botschaft und der Zweck der Poveşti Săseşti ist. Erstens gibt es Zusammenarbeit mit total unbekannten Leuten, die Schatz-Leuten, wie ich sie nennen mag. Es sind diejenigen Leuten, die diskret leben, ohne dass sie wegen ihres Namens oder ihres Wissens angeben. Ich gebe zu, dass diese Leute immer Vorrang haben werden. Auch ganz nahe an meinem Herzen liegt eine Webseite, die auch uns zwei zusammen gebracht hat: Webcultura. Ich werde Sorin Tudor [n.r. der Gründer der Webseite Webcultura] für immer dankbar sein.

Seit ein paar Monate hat mich Diana Matieş eingeladen, eine permanente Rubrik bei Freies Radio für Stuttgart in ihrer Sendung, Zig Zag de România, zu führen. Es ist eine gute Gelegenheit für mich zu lernen was die Arbeit bei einem Radiosender bedeutet. Es ist gleichzeitig eine Ehre, dass ich den Rumänen aus Deutschland über die Sachsen und über Siebenbürgen erzähle.

Es gibt ein weiteres Projekt, woran ich glaube, und ich freue mich, dass ich eingeladen wurde, Teil davon zu werden. Es ist die Rede über ein alternativer Schulbuch für die Schüler der Klassen III-V über das kulturelle Erbgut des Kreises Kronstadt (Braşov). Das Projekt wird von der Schule in Piscu durchgeführt und hat als Ziel das Einführen in Schulen, durch Wahlfächer, der Kenntnisse über das lokale Erbgut. Es gibt schon ein solches Schulbuch für den Kreis Ilfov, und man plant das Projekt für alle Kreise des Landes zu erweitern. Für mich ist es das ideale Projekt, denn es kombiniert die Erziehung mit der Publizistik.

Es gibt noch ein paar andere Webseitne, welche meine Artikel übernehmen, aber ich lasse euch, dass ihr sie selbst entdeckt.

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Großau, Juni 2013

 

Wie hat das Publikum auf das Blog reagiert und wie läuft die Interaktion?

Die Zahlen sagen mir aus, dass das Blog geschätzt wird. Ich kann nicht mit einer riesigen Anzahl Besucher prahlen, aber ich bin stolz auf das Publikum und dessen Qualität. Dieselben Zahlen sagen aus, dass ein Besucher mehr als ein einziges Artikel auf mein Blog liest, und das ist ein Zeichen, dass er das, was er dort findet, für interessant hält. Es gibt nicht so viele Kommentare auf dem Blog, die Debatten finden auf der Facebook Fanseite statt, und die Interaktion ist irgendwie atypisch, was mich ganz doll freut. Es gibt mindestens 15 Artikel, aus den über 100 Artikel auf dem Blog, welche ich infolge von Fotos oder Familiengeschichten, welche ich von meinen Leser exklusiv bekommen habe, geschrieben habe. Es ist hier die Rede über eine authentische Geschichte, da es aus Lebensgeschichten und -erfahrungen zusammengestellt wird. Die Menschen sind hier die Helden.

 

Welche ist deine Lieblingsgeschichte auf Povesti sasesti?

Ich habe keine Lieblingsgeschichte. Es fällt mir zu schwer eine auszuwählen.

Was bedeutet dieser Blog für dich?

Das Blog ist wie ein Hauch frischer Luft für mich. Es ist eine Art immer wieder zu schreiben – ein Vollzeitjob – und es gibt mir die Möglichkeit in zwei Plätze auf einmal zu sein. Die Povesti sasesti würden heute nicht existieren, wenn ich noch in Rumänien geblieben wäre. Ich bin mit Leib und Seele dabei, wenn ich jedes Wort schreibe und es allen widme, obwohl ich immer eine bestimmte liebe Person im Hinterkopf habe, wenn ich schreibe. Ich denke dass es Antoine de Saint Exupery war, der gesagt hat, dass man nicht braucht zu wissen, wie man schreibt, man braucht wissen, was man sieht. Das Schreiben ist nur eine Auswirkung. Meine Geschichten sind nur eine Auswirkung. 🙂

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Heimattag 2013, Dinkelsbühl

Was für Überraschungen hast du deinen Lesern vorbereitet?

Wie schon gesagt, ich mache mir keine Pläne oder Strategien. Ich bemühe mich hochwertiges Material zu bilden, es immer wieder zu verbessern und trotzdem den freundlichen Ton zu erhalten, auch wenn ich über einfache Historie spreche. Ich bin eine einzige Person, meine Ressourcen sind begrenzt, aber zum Glück ist es meine Phantasie nicht. 🙂

Das richtige Oktoberfest in München öffnet bald, wo die Siebenbürger Sachsen immer eine spezielle Vertretung hatten und ich werde dort präsent sein, um zwischen den Maße Bier Fotos zu machen und euch über das Fest zu berichten.

Ich habe neulich auch eine Drohne gekauft, also hoffe ich, dass wenn ich von meiner zukünftigen Reise aus Rumänien zurückkomme, ich schöne Videos über die ehemaligen sächsischen Dörfer haben werde. Im Endeffekt, wird dieses immer das Projekt, das mir am nächsten liegt, ich werde keine Kompromisse nur wegen meines Publikums eingehen, ich werde immer jede Meinung höchstens schätzen. Ich weiß, dass hinter jedem Like eine echter Person steckt.

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Interviul in limba romană – aici or in English – here.

Danke Ralu! 🙂

4 gânduri despre “Sächsische Geschichten im Interview: „Ich wünsche mir, dass mein Blog langsam zu einer Gemeinschaft wird, wo jedermann willkommen ist und sich gemütlich fühlt”

  1. Pingback: Poveștile săsești la interviu, cu Raluca Piteiu | Povești săsești

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